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today14. März 2026
Die Wüstung Hohenrode ist eine aufgegebene mittelalterliche Siedlung im Harzgebiet nahe dem heutigen Ort Grillenberg im Landkreis Mansfeld-Südharz in Sachsen-Anhalt. Sie liegt etwa eineinhalb Kilometer nordnordwestlich von Grillenberg an einem bewaldeten Berghang oberhalb des Gonna-Tals. Die Überreste der ehemaligen Siedlung befinden sich in einer Quellmulde am Beginn eines kleinen Taleinschnitts. Diese Lage bot den Bewohnern im Mittelalter eine gute Wasserversorgung durch mehrere Quellen. In der Umgebung lassen sich außerdem alte Wege und Hohlwege erkennen, die auf frühere Verkehrsverbindungen hinweisen. Eine wichtige Route verlief über die Anhöhe zwischen Grillenberg und Wippra, außerdem kreuzte in der Nähe eine historische Handelsroute, die sogenannte alte Kohlenstraße.
Die Ursprünge von Hohenrode reichen vermutlich bis in das 9. Jahrhundert zurück. Im sogenannten Hersfelder Zehntverzeichnis wird der Ort bereits als „Hohenrod“ erwähnt. Archäologische Untersuchungen zeigen, dass die Siedlung ungefähr vom 10. bis zum 14. Jahrhundert bestand. In schriftlichen Quellen des 16. Jahrhunderts wird sie jedoch bereits als „wüst“, also verlassen, bezeichnet. Der Begriff Wüstung beschreibt Orte, die im Laufe der Geschichte dauerhaft aufgegeben wurden und heute nur noch durch archäologische Funde, Flurnamen oder historische Dokumente nachweisbar sind.
Bei archäologischen Ausgrabungen konnten zwei verschiedene Siedlungsphasen festgestellt werden. In der älteren Phase, etwa vom 10. bis zum 12. Jahrhundert, bestanden die Gebäude überwiegend aus Holz. In der späteren Phase vom 12. bis zum 14. Jahrhundert wurden zunehmend Steinbauten errichtet. Diese Veränderung deutet darauf hin, dass sich die Siedlung im Laufe der Zeit weiterentwickelte und möglicherweise auch die Bevölkerungsstruktur veränderte. Einige Forscher vermuten, dass ursprünglich slawische Siedlungselemente vorhanden waren, die sich im Zuge der mittelalterlichen Besiedlung durch deutsche Siedler wandelten.
Bei den Ausgrabungen wurden verschiedene Gebäudetypen entdeckt, darunter Wohnhäuser und sogenannte Feuerhäuser mit Öfen. Während die Wohnhäuser vermutlich dem alltäglichen Leben der Bewohner dienten, könnten die Feuerhäuser für handwerkliche Tätigkeiten genutzt worden sein. In mehreren Gebäuden fanden Archäologen außerdem Herdstellen und eingetiefte Räume, die typisch für mittelalterliche Wohnformen sind.
Die Wüstung Hohenrode wurde zwischen 1935 und 1937 vom Archäologen Paul Grimm ausgegraben. Seine Ergebnisse veröffentlichte er 1939 in einer ausführlichen wissenschaftlichen Studie. Diese Arbeiten gelten als bedeutend für die Entwicklung der Mittelalterarchäologie, weil Grimm neben den archäologischen Funden auch historische Quellen, Volkskunde und bildliche Darstellungen in seine Untersuchungen einbezog. Zwischen 1969 und 1976 wurden die freigelegten Überreste der Siedlung restauriert und gesichert, wobei auch ehrenamtliche Helfer mitarbeiteten.
Heute gilt Hohenrode als ein wichtiges Beispiel für eine mittelalterliche Wüstung. Solche verlassenen Siedlungen liefern wertvolle Hinweise auf die Lebensweise, die Wirtschaftsformen und die Siedlungsentwicklung im Mittelalter. Die erhaltenen Reste von Hohenrode sind daher ein bedeutendes Bodendenkmal und ein interessantes Zeugnis der regionalen Geschichte im Harzgebiet.
Geschrieben von: Stadtradio Sangerhausen
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