Heimatkunde

Die Wüstung Bodenschwende – ein verschwundenes Dorf im Harzvorland

today10. März 2026

Hintergrund

Die Wüstung Bodenschwende ist ein historischer Ort im heutigen Landkreis Mansfeld-Südharz im Bundesland Sachsen-Anhalt. Sie befindet sich nordwestlich der Stadt Sangerhausen zwischen den heutigen Ortsteilen Horla und Wippra. In der Nähe der ehemaligen Dorfstelle steht heute das Forsthaus Bodenschwende, das als Erinnerung an den alten Ortsnamen erhalten geblieben ist. Von dem Dorf selbst sind heute keine Gebäude mehr vorhanden, doch historische Quellen und Flurnamen erinnern noch an seine frühere Existenz.

Der Ursprung des Ortes reicht vermutlich in das 10. oder 11. Jahrhundert zurück. Der Name „Bodenschwende“ deutet darauf hin, dass die Siedlung wahrscheinlich von einer Person namens Bodo gegründet wurde. Der zweite Teil des Namens, „Schwende“, weist auf eine Rodung hin. Damit bezeichnete man im Mittelalter ein Gebiet, in dem Wald gerodet wurde, um Platz für Felder, Höfe und neue Siedlungen zu schaffen. Viele Dörfer in der Region entstanden während dieser Zeit, als immer mehr Land für Landwirtschaft erschlossen wurde. Wahrscheinlich wurde auch Bodenschwende in einer solchen Phase der Rodung gegründet.

Die erste bekannte urkundliche Erwähnung des Ortes stammt aus dem Jahr 1376. In diesem Jahr belehnte der Erzbischof Peter von Magdeburg die Grafen Dietrich von Hohnstein, Ulrich von Hohnstein und Heinrich von Hohnstein unter anderem mit der Burg Wippra sowie mit dem dazugehörigen Besitz, zu dem auch Bodenschwende gehörte. Diese Belehnung zeigt, dass das Dorf damals Teil der Herrschaft Wippra war und in enger Verbindung mit der dortigen Burg stand.

Einige Jahre später, am 17. September 1382, verkaufte Graf Ulrich von Hohnstein die Hälfte von Schloss und Städtchen Wippra wieder an Friedrich III von Beichlingen. In dieser Urkunde wird auch ein Gehölz mit dem Namen „Botenswerder“ erwähnt, das vermutlich in der Nähe von Bodenschwende lag. Solche Erwähnungen zeigen, dass die Umgebung des Dorfes damals von Wäldern und Rodungsflächen geprägt war.

Auch im 16. Jahrhundert taucht der Ortsname weiterhin in verschiedenen Dokumenten auf. Im Jahr 1523 wird Bodenschwende in einem Lehnsbrief von Albrecht von Brandenburg an die Grafen von Mansfeld erneut als Zubehör der Herrschaft Wippra erwähnt. Diese Quelle belegt, dass der Ort zumindest als Gebiet oder Besitz weiterhin bekannt war, selbst wenn die ursprüngliche Siedlung möglicherweise bereits verlassen war.

Am 9. Juli 1533 wird Bodenschwende in einem Schiedsvertrag zwischen Graf Hoyer von Mansfeld und den Söhnen des Grafen Ernst mit Graf Albrecht von Mansfeld genannt. Zu dieser Zeit scheint das Dorf bereits nicht mehr bewohnt gewesen zu sein. In einem Wüstungsverzeichnis des Rammelburger Erbbuchs aus den Jahren 1533 oder 1534 wird der „Forst von Bodenschwende“ erwähnt. Das deutet darauf hin, dass das Gebiet inzwischen wieder bewaldet war und nur noch als Wald- oder Forstgebiet genutzt wurde. Eine weitere Erwähnung des Namens findet sich im Jahr 1565, was zeigt, dass der Ortsname weiterhin im regionalen Besitz- und Verwaltungswesen verwendet wurde.

Eine weitere wichtige Quelle stammt aus dem Jahr 1579. Am 10. Juni 1579 wird im Zusammenhang mit dem sogenannten Eisleber Permutationsprozess festgehalten, dass das Erzstift Magdeburg den gesamten Bodenschwend mit allen darin gelegenen Dörfern an Kursachsen abgetreten hat. Diese politische und territoriale Veränderung zeigt, wie stark die Region im Laufe der Zeit von unterschiedlichen Herrschaften geprägt war.

Die Aufgabe der Siedlung selbst wird in der Regel auf das 14. Jahrhundert datiert. In dieser Zeit wurden in vielen Regionen Mitteleuropas kleinere Dörfer aufgegeben. Gründe dafür konnten Pestepidemien, wirtschaftliche Veränderungen, Kriege oder auch die Zusammenlegung kleiner Siedlungen mit größeren Orten sein. Sobald ein Dorf verlassen wurde, übernahm die Natur langsam wieder das Gebiet. Felder verwilderten, Gebäude verfielen, und nach einigen Jahrzehnten war von der ursprünglichen Siedlung oft kaum noch etwas zu erkennen.

Heute erinnert vor allem das Forsthaus Bodenschwende an den alten Ortsnamen. Es steht in der Nähe der ehemaligen Dorfstätte und zeigt, dass das Gebiet später vor allem forstwirtschaftlich genutzt wurde. Auch alte Flurnamen und historische Dokumente helfen dabei, die Lage und Geschichte der verschwundenen Siedlung zu rekonstruieren.

Die Wüstung Bodenschwende ist damit ein Beispiel für die vielen mittelalterlichen Dörfer, die im Laufe der Jahrhunderte wieder verschwanden. Solche Orte geben Historikern und Archäologen wichtige Hinweise auf die Entwicklung der Besiedlung im Harzvorland und in der Umgebung von Sangerhausen. Obwohl das Dorf selbst längst verschwunden ist, bleibt seine Geschichte ein Teil der regionalen Vergangenheit und zeigt, wie sich Landschaft, Herrschaft und Siedlungen im Laufe der Zeit verändert haben.

Geschrieben von: Stadtradio Sangerhausen

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