Allgemein

Wie die Berg- und Rosenstadt neu belebt werden kann

today29. April 2026

Hintergrund

Man kann Sangerhausen vor allem dann neu beleben, wenn die Stadt nicht versucht, eine völlig neue Identität zu erfinden, sondern ihre vorhandenen Stärken radikal besser miteinander verbindet: Rosarium, Altstadt, Bergbaugeschichte, Bahnhof, Naturraum Südharz, günstiges Wohnen, Vereine, Bildung und kleine Wirtschaft.

Sangerhausen hat mit dem Europa-Rosarium einen echten Leuchtturm. Das Rosarium gilt als größte Rosensammlung der Welt, hatte 2025 rund 80.000 Besucherinnen und Besucher und besitzt damit eine Anziehungskraft, von der die Innenstadt stärker profitieren müsste. Der wichtigste Schritt wäre deshalb eine sichtbare, schöne und konsequent bespielte Verbindung vom Bahnhof über die Innenstadt bis zum Rosarium: Rosenroute, klare Beschilderung, Licht, Sitzplätze, kleine Fotopunkte, temporäre Kunst, Pop-up-Gastronomie und regelmäßige Veranstaltungen entlang dieser Achse.

Die Innenstadt braucht weniger die Hoffnung auf klassischen Einzelhandel wie früher, sondern mehr gemischte Nutzung: Wohnen, Arbeiten, Kultur, Gastronomie, Handwerk, Gesundheit, Bildung und Begegnung. Das passt auch zu den Analysen im Stadtentwicklungskonzept, das für Sangerhausen unter anderem Leerstand, demografischen Wandel und eine stärkere touristische Vernetzung als zentrale Aufgaben beschreibt. Leerstehende Läden könnten nicht nur kaschiert, sondern aktiv vergeben werden: für Gründer auf Probe, regionale Produkte, Jugendprojekte, Ateliers, Reparaturcafés, Co-Working, kleine Bühnen, Wochenendgalerien und saisonale Rosarium-Shops.

Sangerhausen sollte außerdem aus dem Thema „Berg- und Rosenstadt“ ein ganzjähriges Erlebnis machen. Im Sommer Rosen, Feste, Märkte und Gartenkultur; im Herbst Licht, Hagebutten, Kulinarik und Wandern; im Winter Rosarium als Park, Kultur in leerstehenden Räumen, Weihnachts- und Lichterformate; im Frühling Gartenstart, Pflanzentausch, regionale Märkte. Das Rosarium ist bereits touristisch stark eingebunden und zählt laut eigener Darstellung zu den deutschen Top-100-Sehenswürdigkeiten bei internationalen Gästen. Daraus müsste ein Innenstadtprogramm entstehen, das Gäste nicht nur für zwei Stunden in den Park bringt, sondern für einen ganzen Tag oder ein Wochenende in die Stadt.

Ein weiterer Hebel ist die Anreise. Sangerhausen liegt an den Bahnstrecken Kassel–Halle und Magdeburg–Erfurt; vom Bahnhof aus lassen sich Stadtzentrum und Rosarium laut Tourist-Information zu Fuß erreichen. Genau daraus könnte man ein Versprechen machen: „Ankommen, loslaufen, erleben.“ Am Bahnhof bräuchte es dafür aber einen starken ersten Eindruck: digitale Gästeinformation, klare Wege, Radverleih, Schließfächer, Café, Stadtplan, Hinweise auf Veranstaltungen und eine attraktive Fußwegführung.

Wichtig wäre auch, junge Menschen nicht nur als Zielgruppe, sondern als Mitgestalter zu behandeln. Eine Stadt wird nicht lebendig, weil Erwachsene Konzepte schreiben, sondern weil Jugendliche und junge Erwachsene Orte haben, an denen sie etwas ausprobieren dürfen. Sangerhausen könnte ein kleines Stadtlabor einrichten: freie Mikrobudgets für Jugendideen, legale Wände für Streetart, Proberäume, Pop-up-Kino, Nachtflohmarkt, Gaming- und Maker-Angebote, Beteiligung an Stadtfesten und ein jährliches „Sangerhausen macht auf“-Wochenende, bei dem Vereine, Läden, Höfe, Kirchen, Werkstätten und leerstehende Räume bespielt werden.

Auch Wohnen kann ein Standortvorteil sein. Die Stadt nennt für Ende 2025 rund 25.419 Einwohnerinnen und Einwohner mit Ortsteilen. Gerade kleinere Städte können Menschen gewinnen, die bezahlbaren Wohnraum, Natur, Bahnanschluss und Gemeinschaft suchen. Dafür braucht es ein klares Rückkehrer- und Zuzugsprogramm: eine zentrale Website mit freien Wohnungen, Häusern, Bauflächen, Jobs, Kita- und Schulinfos; persönliche Lotsen für Rückkehrer; Willkommenspakete; Unterstützung für Sanierung; und gezielte Werbung in Halle, Leipzig, Erfurt, Nordhausen, Göttingen und Kassel.

Wirtschaftlich sollte Sangerhausen nicht auf den einen großen Retter warten. Viel realistischer ist ein Netz aus Mittelstand, Handwerk, Pflege, Tourismus, Bildung, Kreativwirtschaft und regionaler Produktion. Die Stadt könnte Gründerinnen und Gründer mit kleinen Mieten, schneller Genehmigung, Beratung und Sichtbarkeit unterstützen. Besonders passend wären Betriebe rund um Gartenbau, Pflanzen, regionale Lebensmittel, Gesundheit, Fahrradtourismus, Denkmalhandwerk, Pflege, digitale Dienstleistungen und nachhaltige Sanierung.

Mein Kernvorschlag wäre: Sangerhausen muss aus vielen Einzelorten wieder eine zusammenhängende Erzählung machen. Bahnhof, Altstadt, Markt, Marienkirche, Spengler-Museum, Rosarium, Stadtbad, Röhrigschacht, Ortsteile und Landschaft dürfen nicht nebeneinanderstehen, sondern müssen als ein Erlebnis wahrnehmbar werden. Das historische Stadtbad wurde 2025 nach Sanierung wieder eröffnet und ist ein gutes Beispiel dafür, wie vorhandene Orte neu aktiviert werden können. Solche Orte brauchen Programme, Kooperationen und Geschichten.

Kurz gesagt: Sangerhausen wird nicht durch ein Einkaufszentrum oder ein einzelnes Großprojekt neu belebt. Die Stadt wird lebendig, wenn sie ihre Besucherströme in die Innenstadt lenkt, Leerstand mutig nutzt, junge Menschen beteiligt, Rückkehrer anspricht, den Bahnhof als Eingangstor stärkt, das Rosarium ganzjährig mit der Stadt verbindet und aus Bergbau, Rosen, Altstadt und Südharz ein gemeinsames Versprechen macht: eine kleine Stadt mit großer Geschichte, viel Grün, bezahlbarem Leben und echten Orten der Begegnung.

Geschrieben von: Stadtradio Sangerhausen

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